Im Micron-Werk im taiwanischen Taoyuan hat am 22. Oktober der erste Streik der taiwanesischen Halbleiterindustrie begonnen, angelegt als 24-stündiger Warnstreik. Die Gewerkschaft fordert einen dauerhaften Anteil von 15 Prozent am Betriebsgewinn; 99 Prozent der abstimmenden Mitglieder hatten den Ausstand zuvor gebilligt.
Im Micron-Werk im taiwanischen Taoyuan hat am Donnerstag um 9 Uhr Ortszeit der erste Streik der taiwanesischen Halbleiterindustrie begonnen. Der Ausstand ist als 24-stündiger Warnstreik angelegt und soll am Freitagmorgen enden; ob er verlängert wird, ist offen. Das berichtet Nikkei Asia, bestätigt durch mehrere taiwanesische und internationale Medien.
Vorausgegangen war ein Votum mit klarer Mehrheit: Von 2.258 wahlberechtigten Gewerkschaftsmitgliedern stimmten 1.994 für einen Streik – 88,3 Prozent aller Berechtigten und rund 99 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Gestritten wird über die Verteilung der Gewinne aus dem Speicherboom. Die Gewerkschaft fordert einen Einmalbonus in Höhe von rund 83 Monatsgehältern für das Geschäftsjahr 2026 und zusätzlich einen dauerhaften Anteil von 15 Prozent am operativen Quartalsgewinn ab dem Geschäftsjahr 2027. Micron hatte im September ein Paket von 35 bis 68 Monatsgehältern aus Gehalt, Boni und Aktien angeboten; die Gewerkschaft lehnte es ab, weil es eine Einmalzahlung ohne dauerhafte Formel sei. Nach ihrer Rechnung entspräche ein Anteil von 15 Prozent rund 14,9 Milliarden US-Dollar jährlich, bezogen auf einen operativen Gewinn von 99,3 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2026.
Der Konflikt ist auch ein Konflikt zwischen zwei Standorten. Die Gewerkschaft im Taichung-Werk, dem größten Standort und Zentrum der HBM-Fertigung, einigte sich am 21. Oktober mit dem Management auf eine deutliche Lohnerhöhung und trat nicht in den Streik. Am selben Abend scheiterten die Verhandlungen in Taoyuan. Micron erklärte gegenüber Reuters, man respektiere die gesetzlichen Rechte der Beschäftigten und verhandle mit beiden Gewerkschaften in gutem Glauben. Taiwans Präsident Lai Ching-te hatte zuvor zu fairen Verhandlungen aufgefordert, Arbeitsminister Hung Sun-han am 21. Oktober Unterstützung bei einer Mediation angeboten.
Die Bedeutung des Standorts reicht über den Betrieb hinaus. Taiwan steht nach Angaben von Nikkei Asia für mehr als 60 Prozent der DRAM-Produktion von Micron; das Unternehmen beschäftigt dort rund 15.000 Menschen und hat kumuliert 1,6 Billionen Neue Taiwan-Dollar – mehr als 50 Milliarden US-Dollar – investiert. Taoyuan fertigt DRAM und HBM, also den Speicher, auf dem KI-Server laufen. Nach Darstellung der Gewerkschaft sind über 75 Prozent der Taoyuan-Kapazität für das Geschäftsjahr 2027 bereits verkauft; ein längerer Ausstand träfe damit Lieferzusagen statt Überkapazitäten.
Als Messlatte dient der Gewerkschaft Südkorea. Samsung einigte sich in seiner Chipsparte auf eine Gewinnbeteiligung von 10,5 Prozent und verhinderte damit im Mai 2026 einen Streik; SK hynix vereinbarte 10 Prozent des operativen Jahresgewinns ohne Obergrenze. Die Forderung von Taoyuan liegt mit 15 Prozent darüber und setzt damit die Marke für die nächsten Tarifrunden der Branche.
Ein Produktionsausfall oder eine Lieferunterbrechung ist bislang nicht bestätigt. Die Micron-Aktie verlor am 22. Oktober im US-Handel zeitweise 4,88 Prozent, an einem Tag mit einem branchenweiten Ausverkauf – der Philadelphia Semiconductor Index lag über 5 Prozent im Minus. Der Kursrückgang lässt sich daher nicht allein auf den Streik zurückführen.
Für die Beschaffung von Hardware ist die Entwicklung relevant, weil DRAM und HBM seit Monaten als Engpass der KI-Infrastruktur gelten. Wer Server, Arbeitsplätze oder Speicher für lokale Modelle kauft, ist auf dieselbe Lieferkette angewiesen, deren Kapazität für 2027 zu großen Teilen bereits verkauft ist.
Autor: Team REN-AI-SSANCE – mit KI-Unterstützung erstellt, von Menschen geprüft und freigegeben.
Quelle: AI Weekly (Original: Nikkei Asia) – Originalbericht vom 22.10.2026 (Nikkei Asia, via AI Weekly); Abruf/Archivstand: 23.10.2026




