Sicherheitsmodelle wie Claude Mythos von Anthropic und GPT-5.4-Cyber von OpenAI analysieren sehr große Codemengen und generieren daraus funktionsfähige Exploits. Aufgaben, für die Angreifer früher Wochen oder Monate brauchten, dauern mit dieser Unterstützung nur noch wenige Stunden. Für Betriebe verschiebt sich der Engpass vom Finden der Lücke auf die Geschwindigkeit beim Patchen.
Claude Mythos von Anthropic und GPT-5.4-Cyber von OpenAI zeigen, wozu spezialisierte Modelle im Bereich Cybersecurity inzwischen in der Lage sind: Sie analysieren riesige Codemengen, spüren Sicherheitslücken in kurzer Zeit auf und erzeugen funktionsfähige Exploits. Beide Anbieter gewähren nur ausgewählten Unternehmen Zugang zu den Modellen. Der Bericht bei Itwelt vom 23. Juli 2026 hält dennoch fest, dass allein die Existenz dieser Modelle die veränderte Bedrohungslage sichtbar macht – Cyberkriminelle dürften vergleichbare Methoden kurz darauf ebenfalls einsetzen.
Das verändert die Zeitrechnung. Kriminelle Aktivitäten, für die Angreifer bislang Wochen oder Monate benötigten, dauern mit Unterstützung spezialisierter Modelle nur noch wenige Stunden. Das Zeitfenster, in dem Betriebe eine Schwachstelle abdichten und einen laufenden Angriff eindämmen können, wird entsprechend kleiner. Eine Firewall hilft dabei nur begrenzt: Die Lücke sitzt in Software, die eingekauft und im Betrieb nicht selbst entwickelt wird – in Shop-Modulen, Plugins und Schnittstellen, deren Wartungsstand oft niemand mehr kennt.
Wie gut Betriebe darauf vorbereitet sind, zeigt eine Auswertung von Dell Technologies. In den aktuellen Cyber Resilience Insights geben 99 Prozent der Unternehmen an, eine Strategie für Cyberresilienz zu besitzen. In der Praxis konnten jedoch 57 Prozent beim letzten Test oder Sicherheitsvorfall die Bedrohung nicht wirksam eindämmen und keine effektive Wiederherstellung durchführen. Selbst in großen Unternehmen werden 37 Prozent der entdeckten Sicherheitslücken nicht zeitnah geschlossen und stehen noch nach Monaten offen, darunter 19 Prozent kritische oder hochkritische Schwachstellen. 63 Prozent der Befragten waren zudem der Meinung, das Führungsteam überschätze die eigene Fähigkeit, auf einen größeren Vorfall zu reagieren.
Für regulierte Betriebe kommt die Meldepflicht hinzu. Nach Artikel 23 Absatz 4 der NIS-2-Richtlinie ist bei einem erheblichen Sicherheitsvorfall eine Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden und eine Meldung innerhalb von 72 Stunden nach Kenntnisnahme fällig. Fristen, die nie geübt wurden, sind im Ernstfall nicht einzuhalten.
Dell Technologies empfiehlt drei Schwerpunkte:
- Angriffsfläche minimieren: ein stets aktuelles Verzeichnis der eingesetzten Software und Anbieter führen, einschließlich Bibliotheken, Frameworks und Tools, die in anderen Anwendungen stecken; wo nötig eine Software-Stückliste (SBOM) beim Anbieter einfordern, ausschließlich unterstützte Versionen einsetzen und verfügbare Patches zügig einspielen.
- Sichtbarkeit verbessern: einen einheitlichen Blick darauf schaffen, welche Geschäftsprozesse, Workloads und Systeme kritisch sind und wo Abhängigkeiten bestehen – in Zusammenarbeit von IT, Sicherheit, Business Continuity und Fachbereichen.
- Wiederherstellung stärken: Incident-Response-, Business-Continuity- und Recovery-Pläne ausarbeiten, Wiederherstellungspfade festlegen, die Pläne an realistischen Szenarien testen und die Verantwortung in der Geschäftsführung verankern.
„Dass sich die Bedrohungslage durch KI verschärft, ist eigentlich bekannt – das wahre Ausmaß wird aber besonders durch neuartige KI-Modelle deutlich, die es Cyberkriminellen ermöglichen, Sicherheitslücken schneller denn je zu finden und auszunutzen“, sagt Christian Scharrer, Enterprise Architect und CTO Ambassador bei Dell Technologies. Der Druck auf Unternehmen, Cybersecurity- und Cyberresilienz-Strategien konsequent weiterzuentwickeln, steigt damit.
KI lässt sich auch auf der Abwehrseite einsetzen: Schwachstellenscans und Code-Analysen laufen mit Modellunterstützung schneller. Jeder Befund sollte dabei von einem Menschen geprüft werden, denn ein Modell, das Lücken erfindet, kostet mehr Zeit als eines, das eine übersieht. Die Fähigkeitsangaben zu Claude Mythos und GPT-5.4-Cyber sind Berichtsangaben der Hersteller und der Fachpresse; unabhängige Benchmarks für diese Modelle liegen öffentlich nicht vor. Der Handlungsdruck ergibt sich unabhängig davon aus der Geschwindigkeit, mit der Patches künftig eingespielt werden müssen.
Autor: Team REN-AI-SSANCE – mit KI-Unterstützung erstellt, von Menschen geprüft und freigegeben.
Quelle: Itwelt – Originalartikel vom 23.07.2026; NIS-2-Fristen nach Art. 23 Abs. 4; Abruf: 22.10.2026




