Der „2026 Global Enterprise AI Report“ von Publicis Sapient beschreibt eine wachsende Kluft zwischen der Verbreitung von KI und der organisatorischen Bereitschaft, sie wirksam zu nutzen. 73 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI regelmäßig oder in den meisten Geschäftsprozessen ein, nur 10 Prozent betrachten sie als zentral dafür, wie ihr Unternehmen arbeitet.
Publicis Sapient hat den „2026 Global Enterprise AI Report“ auf der Technologiemesse VivaTech in Paris vorgestellt. Grundlage ist eine Befragung von 1.550 KI-Entscheidungsträgern in großen Unternehmen. Der Report beschreibt eine wachsende Kluft zwischen der Einführung von KI und der organisatorischen Bereitschaft, sie wirksam zu nutzen.
Die zentralen Zahlen: 73 Prozent der Befragten geben an, dass KI regelmäßig oder in den meisten Geschäftsprozessen zum Einsatz kommt. Nur 10 Prozent sehen sie als zentral dafür an, wie ihr Unternehmen arbeitet. 47 Prozent halten KI bereits für leistungsfähig genug, um aktuelle geschäftliche Anforderungen zu erfüllen. 42 Prozent sagen, ihre Organisation sei strukturell nicht darauf vorbereitet, dieses Potenzial zu heben. 22 Prozent nennen die eigene Unternehmensorganisation als größtes Hindernis für den Erfolg von KI, und nur 38 Prozent beobachten, dass KI die Arbeitsweise ihres Unternehmens grundlegend verändert.
Nigel Vaz, CEO von Publicis Sapient, führt die Lücke auf strukturelle Trägheit zurück: Unternehmen seien nicht für die Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Autonomie ausgelegt, die KI ermögliche. Die Einführung der Technologie allein verschaffe noch keinen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend sei, wer Arbeitsabläufe neu definiert, Prozesse modernisiert und KI fest in die Unternehmens-DNA einbettet.
Für die Studienautoren liegt die zentrale Herausforderung nicht mehr in der Einführung von KI, sondern in der organisatorischen Anpassung. Systeme, Arbeitsabläufe und Betriebsmodelle müssten schneller nachziehen, um den Mehrwert zu heben, den KI schon heute bieten könnte. Vielerorts bleiben Fortschritte auf einzelne Teams beschränkt, statt unternehmensweite Veränderungen anzustoßen – ein Muster, das sich durch alle untersuchten Märkte zieht.
Die regionalen Unterschiede fallen deutlich aus:
- In den USA sehen 41 Prozent grundlegende Veränderungen durch KI, 34 Prozent nennen die Unternehmensorganisation als größtes Hindernis.
- Großbritannien liegt bei der KI-getriebenen Transformation vorn: 51 Prozent berichten von grundlegenden Veränderungen, 60 Prozent beschreiben KI als in hohem Maße oder vollständig in Arbeitsabläufe eingebettet.
- In Frankreich bremsen Datenbeschränkungen die Transformation: nur 24 Prozent berichten von grundlegenden Veränderungen, 51 Prozent nennen interne Daten als größtes Hindernis.
- Deutsche Unternehmen setzen KI besonders häufig als digitalen „Kollegen“ ein – 35 Prozent nutzen sie zur Unterstützung von Teams. Die unternehmensweite Integration bleibt mit 10 Prozent vollständiger Einbindung begrenzt.
- Australische Unternehmen betten KI stetig in ihre Abläufe ein: 53 Prozent berichten von hoher oder vollständiger Einbettung, 38 Prozent von grundlegenden Veränderungen der Arbeitsweise.
- In den Vereinigten Arabischen Emiraten vernetzen 60 Prozent KI bereits teamübergreifend, die vollständige unternehmensweite Integration bleibt mit 5 Prozent die Ausnahme.
Über alle Märkte hinweg liegen die Erwartungen an KI-Fortschritte vor der tatsächlichen Bereitschaft der Organisationen. In den USA rechnen 71 Prozent der Befragten binnen 12 bis 24 Monaten mit deutlichen Fortschritten bei der Skalierung von KI, doch nur 20 Prozent halten ihr Unternehmen schon heute für vollständig darauf vorbereitet.
Für Handwerksbetriebe und KMU ergeben sich daraus zwei Hinweise: Die Werkzeuge sind vorhanden, der Engpass liegt im Ablauf. Die befragten Unternehmen beschreiben Lücken bei Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozessen – nicht bei der Technik. Zu berücksichtigen ist dabei, dass eine Befragung Wahrnehmung misst und nicht Wirkung: „KI im Einsatz“ bedeutet nicht zwangsläufig „KI wird produktiv genutzt“.
Befragt wurden Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten und mindestens 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Die Feldarbeit lief vom 29. April bis 14. Mai 2026 in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten und wurde von Protégé im Auftrag von Publicis Sapient durchgeführt. Kleine Betriebe sind in der Stichprobe nicht vertreten.
Autor: Team REN-AI-SSANCE – mit KI-Unterstützung erstellt, von Menschen geprüft und freigegeben.
Quelle: Industrieanzeiger – Originalartikel vom 15.07.2026; Abruf/Archivstand: 12.10.2026




