Laut dem „2026 Cybersecurity Assessment Report“ des Sicherheitsunternehmens Bitdefender bereiten vor allem interne KI-Systeme und große Sprachmodelle die größten Sorgen hinsichtlich Datensicherheit und Zugriffskontrolle. Nur 51,8 Prozent der 1.201 befragten IT- und Cybersicherheitsexperten wissen vollständig, welche genehmigten und nicht genehmigten KI-Werkzeuge die Mitarbeiter nutzen.
Der „2026 Cybersecurity Assessment Report“ des Sicherheitsunternehmens Bitdefender zeigt, dass viele Unternehmen mit der rasanten Entwicklung der KI-Risiken nicht Schritt halten. Für die Untersuchung wurden zwischen April und Juni 2026 insgesamt 1.201 IT- und Cybersicherheitsexperten aus Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Singapur befragt. Vertreten waren IT-Manager und Sicherheitsverantwortliche ebenso wie Sicherheitsanalysten, Architekten und Ingenieure aus dem operativen Alltag.
Ein auffälliges Ergebnis betrifft den Einsatz von KI-Anwendungen im Unternehmen: Nur 51,8 Prozent aller Befragten gaben an, vollständig zu wissen, welche genehmigten und nicht genehmigten KI-Werkzeuge die Mitarbeiter nutzen. In Deutschland lag der Wert mit 52 Prozent praktisch auf demselben Niveau. 47,4 Prozent der Teilnehmer erklärten, sie hätten lediglich teilweisen Einblick in den Einsatz sogenannter Schatten-KI.
Die Studie zeigt zudem eine Wahrnehmungslücke zwischen Führungskräften und Praktikern. 57,8 Prozent der Manager zeigten sich überzeugt, den KI-Einsatz zu überblicken, unter den Sicherheitspraktikern waren es 45,9 Prozent. Nur 0,5 Prozent der Führungskräfte räumten ein, überhaupt keinen Überblick zu haben; bei den Experten, die täglich mit Sicherheitsvorfällen arbeiten, lag dieser Wert bei 4,5 Prozent. Das deutet darauf hin, dass das Management die tatsächlichen Risiken teils unterschätzt.
Als besonders gefährdete Bereiche nannten 45 Prozent der weltweit Befragten interne KI-Systeme und große Sprachmodelle. Dahinter folgen Cloud-Infrastrukturen und Anwendungen mit 44 Prozent sowie Systeme zur Verwaltung von Benutzerkonten und Zugriffsrechten mit 33,3 Prozent. In Deutschland lagen interne KI-Systeme mit 41 Prozent ebenfalls an erster Stelle, gefolgt von Cloud-Infrastrukturen mit 39 Prozent. Zusätzlich widmeten deutsche Teilnehmer klassischen Infrastrukturen wie IoT-, OT- und kritischen Systemen mit 31,5 Prozent sowie älteren lokalen Anwendungen und Servern mit 27,5 Prozent große Aufmerksamkeit.
Die Studie benennt dabei einen Widerspruch: Obwohl KI-Systeme als besonders schützenswert gelten, bewerteten weltweit 20,4 Prozent das Risiko als gering oder sehr gering, vertrauliche Informationen in öffentlichen KI-Diensten preiszugeben. In Deutschland lag dieser Anteil bei 24,5 Prozent.
Ein weiteres Ergebnis betrifft den Umgang mit Vorfällen. Mehr als die Hälfte der Befragten, deren Unternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate Opfer eines Sicherheitsvorfalls oder einer Datenoffenlegung geworden war, erklärte, zur Stillschweigen aufgefordert worden zu sein. Weltweit berichteten 55,2 Prozent von einem solchen Druck, 2025 waren es 57,6 Prozent, 2023 erst 42 Prozent. In Deutschland lag der Anteil mit 57,2 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt, in den USA mit 68,6 Prozent am höchsten. Die Angaben von Führungskräften (56,8 Prozent) und Sicherheitspraktikern (53,5 Prozent) unterscheiden sich dabei kaum.
Als Auslöser von Sicherheitsvorfällen nannten die Befragten am häufigsten unerlaubte Zugriffe auf Cloud-Infrastrukturen oder Anwendungen (41,8 Prozent), gefolgt von Business-E-Mail-Compromise-Angriffen (35,9 Prozent, Deutschland 30,5 Prozent) und Ransomware (25,6 Prozent, Deutschland 21,5 Prozent). 59,2 Prozent der weltweit Befragten registrierten im vergangenen Jahr KI-gestützte Social-Engineering-Angriffe, in Deutschland 66 Prozent, in den USA 71,2 Prozent.
Als größte Hürde beim Verkleinern der Angriffsfläche nannten 38 Prozent den hohen Aufwand, Sicherheitsregeln und zahlreiche Ausnahmen laufend zu verwalten (Deutschland 38,5 Prozent). 34,6 Prozent erklärten, es fehle an personellen Ressourcen, um Warnmeldungen abzuarbeiten und Systeme ausreichend abzusichern (Deutschland 32 Prozent). Die Absicherung älterer IT-Systeme bereitet 34,5 Prozent Probleme (Deutschland 30,5 Prozent).
Beim Thema Datensouveränität gaben weltweit 76,1 Prozent an, sie würden ihren Anbieter für Cybersicherheitslösungen wahrscheinlich wechseln, wenn Zweifel an der Datensouveränität, an der geltenden Rechtsprechung oder an möglichen Zugriffen ausländischer Behörden bestünden. In Deutschland lag der Wert bei 77 Prozent, in den USA bei 87 Prozent und in Großbritannien bei 85 Prozent. Neue gesetzliche Vorgaben wie NIS2 oder DORA spielen dabei eine wichtige Rolle.
Deutsche Sicherheitsprofis bewerten einzelne Gefahren zurückhaltender als ihre internationalen Kollegen. Die Gefahr, dass Angreifer mithilfe von KI immer anpassungsfähigere Schadsoftware entwickeln, sehen weltweit 55,9 Prozent als groß an, in Deutschland 47 Prozent. Das Risiko, dass Mitarbeiter vertrauliche Informationen in öffentliche KI-Systeme eingeben, bewerten weltweit 53,5 Prozent als besonders hoch, in Deutschland 42,5 Prozent. Deepfakes und täuschend echte Sprachkopien halten weltweit 51,9 Prozent für ein großes Risiko, in Deutschland 38,5 Prozent.
Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group, sagt: „Die sich ausweitende Angriffsfläche, sich schnell verbreitende KI-getriebene Gefahren und ständiger operativer Druck drängen Organisationen dazu, ihren Sicherheitsansatz grundlegend zu überdenken.“
Für Handwerksbetriebe und KMU ergeben sich daraus fünf Schritte für die Zugriffskontrolle:
- Inventar statt Verbot: im Team abfragen, welche Werkzeuge im Alltag tatsächlich genutzt werden.
- Ein Zugang pro Person: keine geteilten Logins, kein Sammel-Schlüssel in einer Datei.
- Firmendaten-Klausel festlegen: welche Inhalte niemals in ein fremdes Chatfenster gehören – Angebote, Kalkulationen, Kundendaten, Personalthemen.
- Anbindungen prüfen: welche Daten ein KI-Tool lesen kann, wenn es am Laufwerk oder am Postfach hängt.
- Aufräumen: Accounts ausgeschiedener Mitarbeiter und Testzugänge schließen, Zwei-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren.
Wie Schatten-KI entsteht, beschreibt die Studie nicht als Folge von Absicht, sondern von Reibung: Ist das freigegebene Werkzeug umständlich oder kann es etwas nicht, wird im Alltag genutzt, was funktioniert. Die Zahlen stammen aus einer Herstellerstudie unter Unternehmen ab 500 Beschäftigten und lassen sich nicht eins zu eins auf einen Handwerksbetrieb übertragen.
Autor: Team REN-AI-SSANCE – mit KI-Unterstützung erstellt, von Menschen geprüft und freigegeben.
Quelle: heute.at – Originalartikel vom 29.07.2026; Abruf/Archivstand: 12.10.2026




