Der CEO des KI-Personaldienstleisters Eightfold AI, Ashutosh Garg, hat die Plattform TwinCafe vorgestellt. Bewerber laden dort Lebenslauf, LinkedIn-Profil und Arbeitsproben hoch, daraus entsteht ein digitaler Zwilling, den Personalvermittler befragen können, bevor das Gespräch mit dem Menschen stattfindet. Personalauswahl gilt nach dem EU AI Act als Hochrisiko-Anwendung.
Ashutosh Garg, CEO des KI-Personaldienstleisters Eightfold AI, hat die Plattform TwinCafe vorgestellt. Bewerber laden dort nach Angaben des Unternehmens ihren Lebenslauf, ihr LinkedIn-Profil, Arbeitsproben und weitere Dokumente hoch; daraus entsteht ein digitaler Zwilling, für den die Plattform einen teilbaren Link erzeugt. Garg zufolge sollen Kandidaten diesen Link oben auf ihrem Lebenslauf oder Profil platzieren. Über das Produkt berichtete Fortune am 12. Oktober 2026.
Das Ziel ist nach Gargs Darstellung nicht nur Zeitersparnis für Bewerber. Statt die ersten 20 Minuten eines Gesprächs mit dem Durchgehen des Lebenslaufs zu verbringen, könnte ein Personalvermittler den Zwilling vorab zu früheren Rollen, Fähigkeiten und Lücken im Werdegang befragen und die Zeit mit dem Bewerber für Fragen reservieren, die menschliches Urteilsvermögen erfordern. „My main motivation was that a résumé is so limiting“, sagt Garg; ein digitaler Zwilling könne Lücken füllen, etwa bei Karrierepausen oder Wechseln zwischen Branchen. Das eigentliche Gespräch könne sich dann stärker auf den Menschen und weniger auf die Prüfung von Angaben konzentrieren – „the human aspect versus the fact-check aspect“ – und „the quality of the interview dramatically improves“.
Garg beschreibt außerdem eine Variante, in der ein Personalvermittler beim ersten Screening gar nicht anwesend ist und stattdessen einen eigenen Agenten mit dem Zwilling des Bewerbers sprechen lässt. Damit ließen sich Bewerber finden, die ein Lebenslauf allein aussortiert hätte, und deutlich mehr Gespräche führen: „Why limit a screening to five candidates? Why not interview everyone?“
Zwei Eigenschaften des Verfahrens sind in der Produktbeschreibung und in der Berichterstattung angelegt. Erstens ist der Zwilling nur so gut wie das, was hochgeladen wurde: Er belohnt eine gepflegte Selbstdarstellung und nicht zwangsläufig die Eignung. Wer sein Profil entsprechend aufbereitet hat, hat einen Vorteil; wer aus der Werkstatt kommt und keinen ausgearbeiteten Profiltext verfasst hat, nicht. Zweitens kommunizieren, wenn beide Seiten Zwillinge einsetzen, zwei Maschinen miteinander über eine Stelle – die Auswahlentscheidung stützt sich dann auf ein Gespräch, das in dieser Form nicht stattgefunden hat.
Personalauswahl fällt im EU AI Act in den Bereich der Hochrisiko-Anwendungen (Anhang III, Nummer 4: Beschäftigung und Personalmanagement, einschließlich Systemen zur Auswahl und Einstellung von Personen). Daraus folgen Pflichten zu Transparenz, menschlicher Aufsicht und Unterrichtung der Betroffenen. Artikel 26 der Verordnung verlangt von Arbeitgebern, die ein Hochrisiko-KI-System am Arbeitsplatz einsetzen, dass sie die Arbeitnehmervertretungen und die betroffenen Beschäftigten vor der Inbetriebnahme informieren. Für den Bewerbungsprozess bedeutet das: Läuft ein solches Werkzeug mit, gehört der Hinweis darauf in die Ausschreibung oder in den ersten Kontakt.
Für Handwerksbetriebe und KMU mit vielen Bewerbungen auf eine Stelle ist die Entlastung in der ersten Sichtung real. Der Zwilling beantwortet allerdings die Frage, ob ein Profil grob passt – nicht die Frage nach der Einstellung. Die Trennung lautet: Das Sichten lässt sich automatisieren, das Entscheiden nicht.
Autor: Team REN-AI-SSANCE – mit KI-Unterstützung erstellt, von Menschen geprüft und freigegeben.
Quelle: Fortune – Originalartikel vom 12.10.2026; Abruf/Archivstand: 14.10.2026




